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Die Annahme der eigenen Hochsensibilität und Sensitivität (als Lebensaufgabe)

Inhaltsverzeichnis

Die Hochsensibilität / Hochsensitivität als Bürde
Lebenswege Hochsensibler
Die Geschichte vom rosa Ei mit goldenem Rand
Warum halten wir unsere Sensibilität auf Abstand?
Wer oder was erzeugt die Symptome Hochsensibler?
Wie lässt sich der Abstand zur eigenen Sensitivität reduzieren?
Und was sind das für Prozesse auf dem Weg zur Annahme meiner Sensitivität?
Muss jeder Hochsensible dieselben Prozesse bewältigen?
Verantwortung der Hochsensiblen
Schlussbemerkung
Fragen zum Nachforschen und Ergründen

 

Im Internet finden sich zahlreiche Artikel und Seiten zum Thema Hochsensibilität. Mit meinem Artikel möchte ich auf Aspekte eingehen, die woanders selten bzw. nicht erwähnt werden. Neu (auch für mich) ist die Sichtweise, dass nicht die Hochsensibilität als solche die typischen Probleme und Symptome eines hochsensiblen Menschen verursacht, sondern etwas anderes. Wenn Sie erst einmal allgemeine Informationen zur Hochsensibilität wünschen, empfehle ich Ihnen, sich das Interview mit meiner Kollegin Lidia Schladt anzusehen.

Die Hochsensibilität / Hochsensitivität als Bürde

Die heutige Welt scheint ein kalter und manchmal sogar grausamer Ort für sensible Menschen zu sein. Einsam, nicht verstanden, für falsch erklärt und manchmal sogar ausgestoßen. „Sensibelchen“, „Weichei“ und Ähnliches sind vielleicht noch die harmlosesten Bezeichnungen, AD(H)S – die Modediagnose... Stimmt mit diesen Menschen wirklich etwas Grundlegendes nicht? Oder ist es nicht viel eher so, dass eine Welt, die mit einer grundlegenden Ausstattung eines Menschen nicht klarkommt, falsch ist?

Von artgerechter, menschenwürdiger „Haltung“ sind wir noch ein ganzes Stück entfernt. In einigen Erdteilen sieht es besser, in anderen schlechter aus. In der einen Familie ist es so, in der anderen so. Kommt ein sensibles Kind in einer Künstlerfamilie zur Welt, wird es ein anderes Entwicklungsumfeld vorfinden als auf einem Bauernhof oder in der durchgestylten Wohnung von zwei Topmanagern. Auch in den Unternehmen ist der berühmte Duft in der Bäckerei sehr unterschiedlich.

Welche Chancen haben aber Menschen mit besonderen Wahrnehmungsfähigkeiten, mit ihrer besonderen Sensitivität und ihrem besonderen So-sein-in-der-Welt? Was erwartet sie? Was passiert mit ihrer Hochsensibilität, die von den meisten doch mehr als Fluch als als Segen eingeschätzt wird – anstrengend, überflutend, unkontrollierbar, grenzenlos und manchmal einfach nur ätzend.

Lebenswege Hochsensibler

Die Wege Hochsensibler sind sehr verschieden. Einige dieser Menschen sind durchaus anpassungsfähig und tun so, als wären sie „normal“, auch wenn sie das Gefühl, anders zu sein, nie loswerden. Sie lernen einen Beruf oder studieren. Sie arbeiten wie alle anderen auch, führen Beziehungen, bekommen vielleicht Kinder. Es sieht, von außen betrachtet, nach einem normalen, vielleicht sogar nach einem erfolgreichen Leben aus. Irgendwann bekommen sie vermehrt Symptome und Hinweise, reflektieren sich, kommen weiter, kommen doch nicht weiter, suchen sich vielleicht Hilfe, die nicht nur symptomatisch verfährt. Jedenfalls stellen sie häufig fest, dass es so, wie bisher, nicht mehr weitergeht. Ich gehöre wohl auch am ehesten zu dieser Gruppe.

Viele andere Wege sind aber weitaus dramatischer. Einige Hochsensible geraten in massive Gewaltkreisläufe, werden zu Opfern. Langzeitarbeitslosigkeit, chronische Krankheiten, chronischer Beziehungsstress etc. sind häufig die Folgen. Kämpfe im Außen, Kämpfe im Inneren, bis hin zum Tod / Freitod oder schwerer Sucht / Abhängigkeit. Ein Blick von außen (ob durch sich selbst oder durch andere) ist in so einer Situation schwierig, wenn nicht unmöglich. Es fehlt an Ressourcen: finanziell, emotional, manchmal auch kognitiv. Letzteres liegt nicht daran, dass diese Menschen von Natur aus dumm sind. Das sind sie keinesfalls! Meistens haben sie aus irgendwelchen Gründen nicht die bestmögliche Bildung erhalten. Außerdem sind die kognitiven Fähigkeiten an die emotionalen Botschaften gekoppelt. Nicht alle Hochsensiblen können sich so weit spalten und ihren Intellekt von den emotionalen Botschaften des Umfeldes unberührt lassen und ihn weiter entwickeln. Die emotionale Wucht, die Botschaften des Nicht-angenommen-Werdens und die Täter-Opfer-Kreisläufe können so gewaltig sein, dass der Intellekt einbricht und seine Dienste versagt. Die Entwicklung der Analyse- und Reflexionsfähigkeit wird dadurch erheblich erschwert. Manchmal fehlt es aber auch einfach an Vorbildern.

Eine psychiatrische Karriere wäre auch eine der Möglichkeiten. Diese beginnt meistens recht früh. Hat man eine Diagnose bekommen (z. B. ADHS oder Borderline), kann es sehr schwierig sein, sie wieder loszuwerden. Sie wird zur zweiten Haut, ersetzt die eigene Identität. Die feinen Wahrnehmungen werden heutzutage durch Medikamente unterdrückt, ebenfalls deren Abwehr, die sich in Symptomen zeigt (zur Abwehr der Sensitivität schreibe ich weiter unten mehr), so dass diese Menschen ein mehr oder minder „normales“ Leben führen können. Die Symptome sind weg. Die Grundausstattung bleibt.

Es gibt auch eine Gruppe, die sich ziemlich lang für „normal“ hält. Erst, wenn etwas Unvorhergesehenes in ihrem Leben passiert, ein Schlüsselerlebnis sozusagen, vielleicht ein Unfall oder eine schlimme Krankheit oder ein heftiger Verlust, werden die Karten neu gemischt und sie lernen eine ganz neue Seite von sich kennen. Das kann auch erst später im Leben, z. B. mit über 70 Jahren passieren.

Eine andere Gruppe begibt sich in den künstlerischen Bereich. Man wird Maler, Musiker, Schauspieler... Kunst ist eine Möglichkeit, seine Sensitivität an der psychischen Abwehr vorbei zu leben und auszudrücken. Diese Möglichkeit ernährt auch die Seelen anderer Menschen, die dem Künstler folgen.

Viele Hochsensible verbringen ihre Zeit gern in einer Phantasiewelt. Sie werden als verträumt wahrgenommen. Sie können stundenlang aus dem Fenster schauen. Sie schauen sich vorbeifahrende Autos oder Züge an. Und oft haben sie Phantasiefreunde und -gefährten. Sie leben in ihrer eigenen Welt. Es kann eine sehr einsame Lebens-Reise sein.

Für alle Betroffenen bleibt aber die Frage: Was ist los mit mir? Wie kann ich gut leben, so wie ich bin?

Aber, Moment! Das ist zu schnell! Die Antwort auf diese Frage wird sich ergeben, wenn wir uns mit ein paar Sensitivitäts-Basics beschäftigen, z. B. mit dem Ei. He? Wie? Was? Ja... Sie haben richtig gelesen. Hier kommt das Ei.

Die Geschichte vom rosa Ei mit goldenem Rand

Eine Klientin erzählte mir, das sie in ihren Meditationen ein rosa Ei mit goldenem Rand sieht. Es ist noch ein paar Meter von ihr entfernt. Noch kann sie es nicht erreichen. Im Rahmen ihrer Sitzung lässt sie das Ei repräsentieren (Tatsächlich habe ich sogar ein rosa Ei, ein kleines Musikinstrument, in meiner Praxis, mit dem ich bereits so ähnlich gearbeitet habe.). Das Ei entpuppt sich als ihre besondere Art, in der Welt zu sein mit all ihrer Sensitivität. Ihre Fühler, das sind diese magischen Tast-Dinger, mit denen Hochsensible die Gemütszustände anderer Menschen ertasten und erfühlen können, sind besonders lang und umfassten fast die ganze Welt – so viel Information! Gleichzeitig zeigten sich in ihrer Sitzung Wege und Prozesse, die sie ihrem Ziel – das Ei zu bekommen, näher bringen.

Warum halten wir unsere Sensibilität auf Abstand?

Das Ei ist symbolisch. Die Klientin hält ihre eigene Sensitivität auf Abstand, auch wenn sie natürlich weiterhin sehr empfindsam ist. Voll nutzt sie sie aber nicht aus, zumal die Sensitivität noch viele Fähigkeiten, z. B. auch Heilfähigkeiten, mit sich bringt, mit denen der Umgang erst gelernt werden muss.

Für den Abstand gibt es verschiedene Gründe:

  • Sie hat sicherlich Erfahrungen gemacht, dass ihre Sensitivität sie in Gefahr gebracht hat. Sie hat etwas Wahrhaftiges erspürt, ausgesprochen und ist dafür bestraft worden, z. B. mit Liebesentzug.

  • Niemand hat ihr vorgelebt, wie man mit der Sensitivität umgeht. Ein Fach namens „Wahrnehmung und Sensitivität“ gab es in der Schule nicht. Mathe und Deutsch hingegen schon.

  • Viele ihrer Entscheidungen, wie sie mit ihrer Sensitivität umgeht, hat sie in einem Alter getroffen, zu dem sie keine sprachlichen / bewussten Erinnerungen hat. So kann sie diese Entscheidungen nicht bewusst / vom Kopf her korrigieren. Das muss über das Körpergedächtnis geschehen. 

  • Die magischen Fühler sind eine Grundausstattung, die in einem entsprechenden Umfeld besonders oft zum Einsatz kam und sich dadurch besonders entwickeln konnte; sie können bis weit in die Welt hineinreichen. Es ist eine Überlebensstrategie Hochsensibler: Ich fahre meine Fühler aus, schaue, wie es wem geht, und reagiere entsprechend auf die Umwelt, in der Hoffnung, meine Bedürfnisse erfüllt zu bekommen. Was vielen Hochsensiblen nicht klar ist: Sie sind diejenigen, die die Fühler ausfahren, die sich die vielen Informationen und Eindrücke holen. Meist fühlen sie sich als Opfer davon. Sie erleben, dass es einfach passiert. Dann werden sie überflutet, müssen sich von anderen Menschen fernhalten, sich abschotten. Viele sind dann gern alleine zu Hause, in der Natur oder haben Tiergefährten. Dass sie diejenigen sind, die die Entscheidung treffen, die Fühler auszufahren, ist ihnen nicht bewusst. Diese grundsätzliche Entscheidung ist so früh getroffen worden, dass sich niemand daran bewusst erinnern kann. Außerdem würde es bedeuten, dass sich die Hochsensiblen, da sie keine Kinder mehr sind, übergriffig verhalten: Sie fahren ihre Fühler aus, lesen andere Menschen aus, holen sich Informationen und Eindrücke in ihr Feld, zu denen sie nicht berechtigt sind. Sich als Täter zu sehen wäre etwas ganz Neues! Gleichzeitig ist diese äußerst unangenehme Einsicht der erste Schritt, sich aus dem „hochsensiblen“ Täter-Opfer-Muster zu lösen. Wenn der erste Schock verflogen ist, bleibt die Frage: Wenn es also meine Entscheidung ist, wie viele Eindrücke ich mir hole, wie lerne ich das zu kontrollieren? Die etwas enttäuschende Antwort ist, dass diese Fähigkeit keine 100% kontrollierbare ist, jedenfalls nicht auf die alltägliche Art und Weise. Sie hat ihre eigenen Regeln und Gesetze. Man kann aber den Zustand erreichen, in dem die eigene Sensitivität nicht mehr übergriffig eingesetzt wird und auch kaum / keine Symptome bereitet. Dafür muss der Abstand zum „Ei“, also zu eigenen Sensitivität im Rahmen von Entwicklungsprozessen überwunden werden. Zuerst möchte aber ich auf den wichtigsten Punkt dieses Artikels hinweisen: die Folgen des Abstandes zur eigenen Sensitivität:

Würden wir die Sensitivität nicht auf Abstand halten, würden wir mit Eindrücken, Wahrnehmungen und Wahrheiten konfrontiert, die mit unserer aktuellen Psyche inkompatibel sind. Die Folge: Wir wehren sie ab und erzeugen uns dadurch Symptome. Ja, Sie lesen es richtig! Wir sind es, die sie Symptome erzeugen und nicht die Sensitivität!

Wer oder was erzeugt die Symptome Hochsensibler?

Das sind also sie selbst und nicht ihre Sensitivität! Sind Sie immer noch überrascht? Ich war es auch.

Erst die Abwehr der Sensitivität erzeugt die Symptome. Die Symptome sind also die Reaktion auf die Sensitivität. Nicht die Sensitivität selbst. Die pure Sensitivität liefert nur Informationen. Sie tut nichts. Sie überflutet nicht und erzeugt auch keinen Knoten im Magen und auch keinen Durchfall oder Gedankenkarussell. Das ist eine Erkenntnis, zu der ich erst vor Kurzem gelangt bin, setzte ich doch meine typischen Symptome mit meiner Sensitivität gleich. Ein Prozess zeigte mir, dass ich meine eigene Sensitivität nicht vollständig annahm. Nach diesem Prozess verschwanden die Symptome. Und damit kam auch das Aha-Erlebnis und das Verstehen von Who is Who. Leuchtet es Ihnen ein oder sagen Sie: „No Way!“?

Wie lässt sich der Abstand zur eigenen Sensitivität reduzieren?

Indem man dem eigenen Entwicklungsweg folgt und sich in Entwicklungs- und Lernprozesse begibt, in besonderen Kontexten (therapeutisch, meditativ, reflektierend usw.) und im Alltag.

Ich vertraue darauf, dass der Entwicklungsprozess in jedem von uns abgespeichert ist. Es gibt also eine Instanz oder etwas in uns, das es steuert, den Weg und die Lernschritte zeigt. Die oben erwähnte Klientin hat das Bild eines inneren Führers – er sieht wie so eine Art Guru aus – vor ihrem inneren Auge. Hat man so ein Bild in sich, hat man einen direkten Zugang zu seinem inneren Lehrmeister. Man kann ihn repräsentieren und er wird bereitwillig Auskunft über den aktuell anstehenden Prozess geben und manchmal auch etwas über die weiterführenden Schritte verraten. Es ist keine simple Frage-Antwort-Runde oder auch keine Art FAQ. Die Antworten, die man bekommt, könnten auch etwas verschlüsselt sein. Oder man bekommt noch nicht alle Informationen, sondern nur die, die gerade wichtig und relevant sind. Auf jeden Fall wird der innere Lehrmeister gerne und wertschätzend den aktuellen Fortschritt der Sitzung kommentieren und bei Bedarf Hinweise geben, ob man sich auf dem richtigen Weg befindet oder eben nicht. Folgt man seinen Anweisungen und bewältigt die Prozesse, wird sich auch der Abstand zur eigenen Sensitivität verringern, bis sie schlussendlich angenommen werden kann. Manchmal in voller Pracht. Manchmal als ein Ableger, eine abgeschwächte Form von ihr, als Zwischenschritt.

Und was sind das für Prozesse auf dem Weg zur Annahme meiner Sensitivität?

Die Prozesse sind typisch menschlich. Einige kommen aus dem psychischen Bereich: Aufbau von Grenzen, Rücknahme der Projektionen, Ausstieg aus alten Mustern, Ausstieg aus Täter-/Opfer-/Retter-Kreisläufen, Kündigung alter Loyalitäten und Verträge. Gleichzeitig kommt einiges aus der spirituellen Ebene (die sich über die sehr frühkindliche psychische und auch die körperliche Ebene eröffnet): Annahme von seinem kindlichen Ur-Selbst (häufig Baby, Embryo, „Zellhaufen“), Verbindung mit der bedingungslosen Liebe, Verbindung mit dem Aspekt des Lebens, Verbindung mit dem Aspekt des Todes, Annahme der eigenen Kraft. (Viele Sensible tuckern durch die Gegend, als wären sie eine Familienkutsche. In Wahrheit sind sie ein Ferrari. Statt ihren Ferrari fahren zu lernen, drücken sie die ganze Zeit auf die Bremse. Die Energie staut sich. Viele bekommen dann Ängste, bis hin zu Panikattacken, oder andere unerklärbare Ausbrüche oder Symptome).

Ich habe große Freude an diesen Prozessen, bei mir und auch bei anderen. An dieser Stelle ein kleiner Hinweis, dass ich ab 2022 diese Prozesse auch im Rahmen einer Wochenend-Workshop-Reihe über 2 Jahre begleiten werde. Ich lade explizit Hochsensible ein, an diesem 2-jährigen Prozess teilzunehmen, wenn sie ihre Sensitivität annehmen, verfeinern und einsetzen lernen wollen oder bereits auf dem Weg dorthin sind.

Muss jeder Hochsensible dieselben Prozesse bewältigen?

Nein, die Lebensschule ist anders als die typische Schule, wie wir sie aus der Kindheit kennen. Es werden dort keine Noten vergeben, es findet kein Wettbewerb statt: Man ist dort, wo man ist. Man kann das Tempo weder beschleunigen, noch verlangsamen. Jeder lernt in seinem Tempo. Und jeder bekommt seine individuellen Aufgaben. (Auch in der Praxis arbeite ich genauso: Ich kann die Prozesse weder beschleunigen noch verlangsamen. Meine Aufgabe besteht darin, Raum, Zeit und Energie für solche Prozesse zur Verfügung zu stellen und sie im richtigen Tempo und sinnvoll zu begleiten.) Die „Check-Points“, also die Übergänge in den nächsten Level, so ähnlich wie ein Level-up bei Computerspielen, sind wohl für alle gleich. Die Aufgaben davor und danach individuell. Es gibt natürlich einige Gemeinsamkeiten. Ich kann aber zusammen mit einem Menschen einen „Check-Point“ erreicht haben und feststellen, dass er / sie etwas kann, was ich nicht kann, und umgekehrt. Wir beide haben aber die gleichen Freigaben für unsere Fertigkeiten und Fähigkeiten. Das klingt toll, bringt aber auch Verantwortung mit sich.

Verantwortung der Hochsensiblen

Habe ich den Check-Point „eigene Sensitivität annehmen“ erreicht (das besagte rosa Ei ist bei mir), bringt es viele Annehmlichkeiten mit sich. Ich bin im Psychischen gut abgegrenzt (das war die Vorarbeit, die Voraussetzung für die Annahme der Sensitivität) und im Spirituellen im Gegenteil gut angebunden. Meine Symptome gehen zurück. Ich habe keine / kaum noch Überflutungserlebnisse. Die Informationen passieren mich. Nur das Wichtigste bleibt hängen. Alles, was ich brauche, kann ich sonst aus dem Feld, in dem alle Wahrnehmungsinformationen gespeichert sind, fischen (Das ist ein Check-Point, der wohl davor dran ist). Ich lebe in meinen Rhythmen und im Vertrauen auf das Chaos-Feld (Das sind wohl auch andere Check-Points). Gleichzeitig bekomme ich freien Zugang zu meinen Lebensaufgaben. Spätestens an dieser Stelle kann ich mich um nichts mehr drücken. Um keine Erfahrung! Um keinen, auch nur so winzigen, Einsatz meiner Fähigkeiten. Flow oder kein Flow. Was anderes gibt es nicht. Flow ist der Normalzustand. Verpasse ich den Rhythmus oder gehe auf Abstand zu mir / zu meiner Sensitivität, bekomme ich sofort die Quittung – und was für eine! Dann muss ich eine "extra" Runde drehen und mir die Freigabe neu erarbeiten. Die Fähigkeiten sind mächtig. Also muss der Umgang damit besonders geschult werden. Das Leben sorgt für Aufgaben. Und dann bekomme ich wahrscheinlich auch die Rolle zugewiesen, anderen vorzuleben und zu zeigen, wie das geht. Ich werde selbst als Lehrer des Lebens eingesetzt. Manche sind dann tatsächlich als Lehrer, Erzieher, Therapeuten usw. gefragt. Von anderen wird verlangt, einer „normalen“ Tätigkeit nachzugehen und einfach durch ihre Präsenz zu wirken. Andere entfalten ihr Künstler-Dasein weiter, bringen es an den Mann / an die Frau, erreichen unerreichbar geglaubte Tiefe und einen ganz besonderen Ausdruck durch ihre spirituelle Ausstrahlung.

Schlussbemerkung

Mittlerweile denke ich häufig darüber nach, dass hochsensibel zu sein normal menschlich ist. In unserer modernen Auffassung sind die Hochsensiblen die Besonderen, die Nicht-Hochsensiblen die „Normalen“. Was ist, wenn es genau umgekehrt wäre? Und auch die Nicht-Hochsensiblen könnten (fast) genauso sensibel sein. Vielleicht sind sie einfach nur abgestumpft? Aber auch Hochsensible können die „normale“ alltägliche Wahrnehmung haben, wenn sie mit sich im Reinen sind. Genauso wie die „Normalen“ können sie dann mit Menschen zusammen sein und werden nicht überflutet. Vielleicht sind es einfach zwei verschiedene Funktionsweisen, das feine Bewusstsein und das Alltagsbewusstsein, die wir beide brauchen. Machen Sie einen Test, um zu unterscheiden, wie es sich anfühlt. Streichen Sie sich bitte langsam über den linken Handrücken mit dem Zeigefinger der rechten Hand. Merken Sie sich, wie sich das anfühlt. Jetzt drehen Sie Ihre linke Hand und streichen sich einmal mit demselben Zeigefinger über die linke Handinnenfläche, das bitte auch langsam. Merken Sie den Unterschied in Ihrer Sensitivität? Die Sensiblen nehmen wahr wie die Handinnenfläche. Und die „Normalen“ wie der Handrücken. Jeder Mensch hat aber beides. Ob Sie zu der einen oder zu der anderen Gruppe zählen – auch Sie haben beides, sowohl den Handrücken als auch die Handinnenfläche. Beide sind wichtig, es gibt keine Hierarchie und keinen Wettkampf. Sie können beides nutzen, teils zu verschiedenen Zwecken. Lernen Sie es!

Fragen zum Nachforschen und Ergründen

  • Bin ich hochsensibel? Habe ich eine erhöhte Sensitivität? In welchem Bereich? Haut / Ausschlag / Allergie / Gerüche / Farben / Emotionen / Vorahnungen?

  • Wie reagiere ich, wenn ich mich mit meiner Sensitivität überfordere? Wenn ich zu viele Eindrücke und Informationen gesammelt habe? Bekomme ich körperliche Beschwerden? Oder emotionale? Oder schalte ich einfach ab? Oder fliehe ich in ein stilles Kämmerlein?

  • Welche Erfahrungen habe ich im Laufe meines Lebens mit meinem Umfeld bezüglich meiner Sensitivität gemacht? Wer hat positiv, wer hat negativ reagiert? Welche Sprüche habe ich dazu zu hören bekommen? Wurde ich dafür vielleicht sogar ausgelacht oder mit Spitznamen versehen?

  • Wie stehe ich grundsätzlich zu meiner eigenen Sensibilität / Sensitivität? Nehme ich sie vollumfänglich an oder stehen wir noch (ein Stück) auf Kriegsfuß?

  • Schäme ich mich für meine Kern-Sensitivität? Für mein Anderssein?

  • Wünsche ich mir manchmal oder auch oft, ich wäre „normal“ oder wie „die anderen“?

  • Bemühe ich mich, normal zu sein? Indem ich z. B. so arbeite, wie alle anderen. Oder zu Verabredungen gehe, weil alle anderen es auch machen? Wenn ich auf einer Party bin und nach 10 Minuten nach Hause möchte: Gehe ich oder bleibe ich?

  • Welche Verbindung habe ich zur spirituellen Ebene? Gehe ich voll ins Leben oder halte ich mich zurück? Habe ich Angst vor dem Tod oder sind wir gut befreundet und miteinander ausgesöhnt? Wie stehe ich zu meiner Power? Tue ich so, als wäre ich eine Familienkutsche, oder weiß ich um meine Power? Nehme ich sie auch an oder macht sie mir (noch) zu große Angst?

  • Reichen meine Fühler in die ganze Welt hinein? Umspannen sie vielleicht sogar den Globus? Spüre ich den Weltschmerz?
  • Bin ich bereit, mich meinen anstehenden Prozessen zu stellen und auf den nächsten „Check-Point“ zuzusteuern? Weiß ich, was als Nächstes dran ist? Sehe ich es vielleicht in meinen Träumen oder meinen Meditationen? Oder ist es nur irgendwo im Gefühl, ohne zu verraten, was es ist?

 

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